Reisemängel: So reklamieren Sie erfolgreich

Wer Urlaub macht, erwartet Ruhe und Erholung. Aber nicht immer halten die Veranstalter, was ihre Prospekte versprechen: Der gesperrte Pool, die Baustelle direkt vor dem Fenster oder das sanierungsbedürftige Bad – Reisemängel sind ärgerlich. Und sie müssen keineswegs widerspruchslos hingenommen werden. Doch bei der Reklamation gibt es einige Dinge zu beachten.

Reiserecht gilt nur bei Pauschalreisen

Rechtlich ist die Sache klar geregelt: Das Reisevertragsrecht gilt nur bei Pauschalreisen. Um eine Entschädigung für Reisemängel geltend machen zu können, müssen Sie also ein Reiseangebot gebucht haben, welches mindestens zwei unterschiedliche Leistungen beinhaltet. Dies ist zumeist eine Kombination aus Flug und Hotel oder auch von Pension und Mietwagen. Haben Sie lediglich eine Ferienwohnung bei einem privaten Anbieter gemietet, gilt für diesen Vertrag das allgemeine Mietrecht. In derartigen Fällen haben Sie bei vorgefundenen Mängeln lediglich die Möglichkeit, einen Anspruch auf Mietminderung durchzusetzen.

Mängel sofort melden

  • Stellen Sie am Urlaubsort Mängel fest, müssen Sie diese unmittelbar dem Reiseleiter oder einem örtlichen Vertreter des Reiseanbieters mitteilen und dem Veranstalter die Möglichkeit geben, die Störungen oder Missstände innerhalb einer angemessenen Frist zu beseitigen. Dies ist im § 651c des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB) so bestimmt.
  • Lassen Sie sich Ihre Anzeige unbedingt schriftlich bestätigen oder quittieren. Viele Hotels halten vorbereitete Formulare für Mängelanzeigen bereit – nutzen Sie diese!
  • Neben einer unverzüglichen Mängelanzeige haben Sie weiterhin die Pflicht, den Schaden so gering wie möglich zu halten. Wird Ihnen also als Ersatz ein anderes Hotelzimmer der gleichen Kategorie angeboten, müssen Sie dies akzeptieren.
  • Auch sollten Sie bei unstrittigen Mängeln nie sofort einen Rechtsanwalt beauftragen, da Sie sonst möglicherweise auf dessen Kosten sitzen bleiben.

Beweise sammeln und dokumentieren

Wichtigster Grundsatz bei allen beanstandeten Reisemängeln ist eine umfassende Beweisführung. Neben Zeugen, welche die Vorkommnisse glaubhaft bestätigen können, gehören vor allem Foto- und/oder Videodokumentationen zu den geeignetsten Nachweisen.

Abgesehen von visuellen Beweisen sollten Sie ferner eine möglichst detaillierte Beschreibung der Mängel anfertigen. Auch eine Erstellung von Lageplänen in Skizzenform kann in manchen Fällen sinnvoll sein: Wo genau stand die Betonmischmaschine, die den ganze Tag gelärmt hat? Welche Lage hatten die Absperrungen des Kinderspielbereichs? Seien Sie hierbei möglichst konkret – das hilft dabei, sich bei einem vielleicht erst nach mehreren Monaten stattfindenden Gerichtsverfahren besser an die Sachverhalte zu erinnern.

Die Ausschlussfrist beachten

Sind die von Ihnen anzeigten Mängel während Ihres Urlaubs vor Ort nicht, verspätet oder nur sehr unzureichend behoben worden, müssen Sie Ihre Ansprüche innerhalb einer in § 651g Absatz 1 BGB gesetzlich festgelegten Ausschlussfrist von einem Monat nach Ihrem Rückreisetag geltend machen. Ihre Forderungen sollten Sie unbedingt schriftlich per Brief, Fax oder auch E-Mail stellen und hierbei eine genaue Mängelbeschreibung vornehmen. Dabei ist der von Ihnen verlangte Entschädigungsbetrag genau zu beziffern. Haben Sie dies getan, bleibt zunächst die Reaktion des Veranstalters abzuwarten. Oftmals wird er Ihnen ein Kulanzangebot unterbreiten. Entspricht dies nicht Ihren Erwartungen und kommt auch sonst keine Einigung zustande, bleibt es Ihnen unbenommen, den Rechtsweg zu beschreiten. Sofern Sie die obigen Tipps beachtet haben, sollten Ihre Chancen dabei nicht allzu schlecht stehen.

Quellen:

Foto: © Marco Drux